Die Super Short Story Nr. 14

  An der Tankstelle stauten sich die Autos. Gerd hatte alle Hände voll zu tun, die Kunden am Tresen abzufertigen, als plötzlich jemand zur Tür hereinstürzte und schrie. „Gibt´s hier Rosen?“ Einer der Kunden am hinteren Ende der Schlange deutete auf eine Vase, in der halb verwelkte Sträuße auf Käufer warteten. Der Mann griff einen Rosenstrauß und drängelte sich nach vorn. „Ich muss zur Beerdigung meiner Mutter,“ rief er. Sofort machten alle Platz. „4,99“ sagte Gerd und zog die Plastikumhüllung über den Scanner. Der Mann nestelte mit zittrigen Fingern ein paar Münzen aus seiner Hosentasche. „Mehr hab ich nicht.“ Gerd nickte … Die Super Short Story Nr. 14 weiterlesen

Die Super Short Story Nr. 13

  Siri hing fest. Zwischen dritten und viertem Stock war der Fahrstuhl einfach stehengeblieben. Sie fluchte und drückte den gelben Notrufknopf, bis ihr der Finger weh tat. Doch nichts rührte sich. „Hallo“, schrie sie mehrmals. Keine Antwort. Zum Glück hatte sie gerade eingekauft. Sie wühlte einen Schokoriegel aus der Einkaufstasche und nestelte an der Verpackung herum. Dabei bemerkte sie, dass ihre Hände zitterten. „Alles halb so wild,“ versuchte sie sich zu beruhigen und hatte es schließlich geschafft. Sie lies die Verpackung zu Boden segeln und biss ein großes Stück ab. Noch nie war in dieser Stadt jemand im Fahrstuhl gestorben. … Die Super Short Story Nr. 13 weiterlesen

Die Super Short Story Nr. 12

  Sie hatten sich lange auf die Klassenreise gefreut und als es losgehen sollte, waren sie alle aufgeregt wie kleine Kinder. Am Flughafen verabschiedeten sie sich schnell von den Eltern und dann waren sie endlich unterwegs. Sie schnatterten während des Fluges unentwegt wie Wildgänse auf dem Weg nach Afrika und auch in Madrid ließ die Nervosität nicht nach. Als sie in die Ankunftshalle traten, wären einige fast in Ohnmacht gefallen vor Aufregung. Welche Gasteltern würden sie erwarten, wer würde sich in wen verlieben? Und dann diese Hitze! Paola war die einzige die cool blieb. Sie hatte spanische Wurzeln und deshalb konnte sie … Die Super Short Story Nr. 12 weiterlesen

Die Super Short Story Nr. 11

  Brasilien war weit weg, das kam Rosario wieder zu Bewusstsein, als sie mit ihrer Tochter und deren Freundin die Straße hinunterging. Sie hatte einen langen Tag hinter sich und war zu erschöpft, um noch einen klaren Satz auf Deutsch hervorzubringen. Unterwegs trafen sie ständig Leute aus der Nachbarschaft und sie gab sich Mühe, nicht völlig zu versagen. Aber Deutsch war verdammt noch mal so schwer! Rosario war den Tränen nahe, als sie endlich ihre Wohnung erreichten. Die Kinder verzogen sich ins Kinderzimmer und sie ließ sich ein Bad ein. Sie schloss die Augen und fühlte eine wohlige Wärme aufsteigen. Sie … Die Super Short Story Nr. 11 weiterlesen

Die Super Short Story Nr. 10

  Sie waren noch keinen Kilometer weit gekommen, da fiel es Paul wieder ein. „Wir haben vergessen, den Nachbarn den Schlüssel zu geben,“ rief er und haute auf das Lenkrad. Kira seufzte und schaute zu wie Paul umdrehte und wieder nach Hause fuhr. Dass Urlaub immer so kompliziert sein musste, dachte sie. Immer gab es bis zum Schluss viel zu viel zu tun und dann, wenn man dann endlich weg war, fehlt auf einmal etwas. Paul stieg aus und lief eilig zum Hauseingang. Er nestelte an der Tür herum, aber irgendetwas schien nicht zu stimmen. Kira stieg aus und fragte, … Die Super Short Story Nr. 10 weiterlesen

Die Super Short Story Nr. 9

Hannes und Jan buken Plätzchen, das war eine Art Ritual, seit sie sich die Wohnung teilten. Jan hatte keine Eltern mehr, Hannes keinen Kontakt zu ihnen. So blieben sie an Weihnachten zu zweit und luden Freunde ein. Jan knetete den Mürbeteig und Hannes raspelte Schokolade für die Glasur. Draußen fuhr ein Blaulichtwagen vorbei, in den Nachrichten im Radio war von einem Bombenanschlag auf eine Synagoge in Brüssel die Rede. „Jedet Jahr ditselbe“, sagte Hannes. Jan nickte und griff nach der Teigrolle. Dieses Jahr würde es das letzte Mal sein, dass sie zusammen Plätzchen buken. Hannes wusste es nur noch nicht … Die Super Short Story Nr. 9 weiterlesen

Die Super Short Story Nr. 8

Sarah machte den besten Hummus der Welt, aber an diesem Abend wollte er nicht so recht schmecken. Sie spürte die Feindschaft in den Straßen und auch ihre Freunde hatten Angst. Täglich gab es Überfälle und Messerstechereien, sie war hier ihres Lebens nicht mehr sicher. Lustlos tunkten sie das Brot in den Kichererbsenbrei. „Lasst uns beten“, murmelte Jos. Die anderen sahen ihn erstaunt an. „Was soll das bringen?“ fragte Sam und drehte sich eine Zigarette. „Wir müssen die Kraft gegen das Böse sammeln“, entgegnete Jos. Alle schwiegen. Sie mussten etwas unternehmen, aber das? Die Super Short Story Nr. 8 weiterlesen

Die Super Short Story Nr. 7

  Schon wieder hatte keiner der Schüler richtig zugehört und Sören war mit seinen Nerven am Ende. Warum waren sie so desinteressiert? Machte er etwa keinen guten Unterricht? Er hörte wie seine Stimme von Konsequenzen und schlechten Noten sprach. Dabei konnte es ihm doch eigentlich egal sein. War es aber nicht! Er brach die Stunde ab und machte einen Spaziergang. Er musste besser werden, einen anderen Weg gab es nicht. Sören holte tief Luft. Die Super Short Story Nr. 7 weiterlesen

Die Super Short Story Nr. 6

  Das Riesenrad hatte ihr am besten gefallen. Sie liebte den Rummel und Wochen lang hatte sie sich auf den Besuch in Wien gefreut. Ihr Hotel lag direkt neben dem Prater und so gingen sie täglich an den Fahrgeschäften vorbei, fuhren Karussell und aßen Krakauer mit Senf. Bei der Achterbahn war ihr am dritten Tag übel geworden und in die Mambo hatte sie sich erst gar nicht hineingewagt. Ab da hatte sie den Rummel nicht mehr sehen wollen und die restlichen Tage waren sie lieber im Park spazieren gegangen, wo das Herbstlaub raschelte. Die Super Short Story Nr. 6 weiterlesen

Die Super Short Story Nr. 5

Es war einer dieser Tage gewesen, wo nichts richtig gelaufen war. Erst hatte die S-Bahn Verspätung gehabt, dann war sie in Hundescheiße getreten und auf der Arbeit hatte sie festgestellt, dass sie ihren Geldbeutel zuhause vergessen hatte. Klara hatte ihr 10 Euro geliehen und so hatte sie in der Mittagspause etwas zu essen kaufen können. Pizza und Salat hatte sie eilig runtergeschlungen, um möglichst bald Feierabend zu machen. Als es dunkel wurde, war sie wieder in der S-Bahn. Da entdeckte sie einen alten Freund, der auf dem Bahnsteig stand. Sie stieg schnell aus und lief auf ihn zu. Aber als … Die Super Short Story Nr. 5 weiterlesen