Die Irrfahrt Teil 3

Ich fühlte, wie mir der Schwindel zu Kopfe stieg und schnell griff ich nach dem Sandwich. Ich aß es hastig auf und trank einen letzten Schluck aus der Wasserflasche, die ich mir am Flughafen gekauft hatte. Dann ließ ich den Motor wieder an. Ich gab meinem Gefühl noch mal eine Chance, vielleicht fand ich den Weg ja einfach so, intuitiv, wie es Frauen ja gerne nachgesagt wird. Dass es das Bauchgefühl schon richtet. Ich fuhr also eine Weile geradeaus, bog dann nach Belieben mal rechts, dann wieder links ab. Bis ich plötzlich aus der Stadt heraus war und die letzten … Die Irrfahrt Teil 3 weiterlesen

Im Strom

Der Tag, als ich bemerkte, dass ich nicht dazugehörte, fing damit an, dass ich morgens zur Post musste. Um diese Uhrzeit war ich selten unterwegs, schon gar nicht mit dem Fahrrad, aber der Baulärm auf unserem Dach, das repariert wurde, hatte mich aus der Wohnung getrieben. Ich fuhr also aus der Einfahrt und brauchte eine Weile, um  eine Lücke zu finden im Dickicht der vorübereilenden Fußgänger, Fahrrad- und Autofahrer. Gemütlich trat ich in die Pedale, aber nachdem ich mehrmals sehr knapp überholt worden und mir ein ordentlicher Schreck in die Glieder gefahren war, legte ich an Tempo zu. Und so … Im Strom weiterlesen

Die Irrfahrt Teil 2

Ich fand auf Anhieb die richtige Ausfahrt und sah mich im Geiste schon unter der Dusche, doch ich hatte nicht bedacht, dass in alten Städten die Straßen selten geometrisch angeordnet sind. In kürzester Zeit hatte ich im Gewirr der Gassen die Orientierung verloren. Plötzlich war ich in einem Viertel, dass auf meiner Google-Maps Karte, die ich vorsorglich zuhause ausgedruckt hatte, gar nicht vorhanden war. Kein Wunder, es war nagelneu, lauter Hotel- und Apartmentklötze und keine Straßennamen. Erschöpft parkte ich vor einem Café und trank einen Galao und aß ein Sandwich. Als ich den ersten Bissen nahm, durchzuckte mich der Schreck: … Die Irrfahrt Teil 2 weiterlesen

Die Irrfahrt Teil 1

Ich war gut gelandet, doch kaum hatte ich wieder sicheren Boden betreten, fingen die Probleme an. Ich ging durch die Passkontrolle und fand mich plötzlich in einem Raum ohne Türen wieder. Wo ging es weiter? Ich machte einen Schritt auf die mir im Weg stehende Wand zu und siehe da, schob sich die Wand zur Seite und so bahnte ich mir den Weg in die Empfangshalle. Den Schalter der Mietwagenfirma fand ich gleich, der Wagen stand jedoch auf irgendeiner Ebene unweit des Flughafens und die Beschreibungen der Dame am Schalter waren zwar präzise, jedoch schwer nachvollziehbar. Der Fahrstuhl, den ich … Die Irrfahrt Teil 1 weiterlesen

Remake: Vatertage

Turkyem Spor hatte irgendein wichtiges Fußballspiel gewon­nen. Ein ohrenbetäubendes Hupkonzert zog sich über den Kreuzberger Straßenbelag, und der Raki floß selbst bei schwitzenden Döner-Kebap-Brutzlern an diesem Feiertag gra­tis über die fettigen Tresen. Der Sieg über eine wahr­scheinlich deutsche Kickerelf erregte den türkischen Volkstolz so sehr, als habe man gerade das Fladenbrot zum teutonischen Leckerbissen ernannt und die Deutschen zum Islam bekehrt. Ich schlenderte die Straßen Richtung Landwehrkanal entlang und überlegte, was dieser Tag außer Kickereuphorie noch zu bieten hätte, als plötzlich ein birkenzweigbegrenzter Zweispänner mit Karacho um die Ecke bog und mir im nächsten Augenblick ein volles Büchsenbierfaß vor die … Remake: Vatertage weiterlesen

Ein und alles

Mittags hielt es Manu zuhause nicht mehr aus. Sie suchte ein paar Sachen zusammen, lud ihre 15 Meerschweinchen in den Kombi und fuhr los. Endlich raus aus der Stadt und dem heißen Smog, der wie eine Glocke über den Häusern hing. Sie hatte sich einen Wald ausgesucht, gar nicht weit weg, wo sie in Ruhe campen konnten. Sie war schon mehrmals dort gewesen und hatte für die Tiere sogar ein Gehege eingezäunt. Nachts mussten die Meerschweinchen natürlich wieder in ihre Käfige wegen der Füchse und Marder. Aber tagsüber hatten sie sich an der frischen Luft erholt. Die Sonne stand schon … Ein und alles weiterlesen

So weit so fort

Dana kraulte seit einer halben Stunde durch das Wasser der Schwimmhalle. Mit jedem Zug fühlte sie sich leichter und deshalb dachte sich nicht daran aufzuhören. Sie fühlte, wie die Sorgen von ihr abfielen, Schicht für Schicht, als sei sie eine Schlange, die sich häutet. Auf Wolken leben hatte sie einmal diesen Zustand genannt, es machte sie einfach glücklich. So oft es ging, gönnte sie sich diese Auszeit und mit der Zeit hatte sie beachtliche Oberarme entwickelt und auch ihr Kreuz war in die Breite gegangen, was einigen Leuten in ihrer Umgebung nicht sehr gefiel. Aber sie behielt es für sich, … So weit so fort weiterlesen