Die Super Short Story Nr. 23

Heute war ein besonderer Tag, dachte Tom, als er erwachte. Im ersten Moment fiel ihm nicht ein warum, aber dann, na klar, es war sein erster Tag an der Uni. Er trank einen Kaffee im Stehen und betrachtete die neue Ledertasche, die er sich extra gekauft hatte für den neuen Lebensabschnitt. Seine Mutter hatte ihm Geld dafür gegeben, es sollte etwas Ordentliches sein, hatte sie gesagt, und mit ordentlich meinte sie teuer. Also hatte er nicht gegeizt und nun hatte er Angst, dass die Tasche zu angeberhaft wirken würde. Sie sah so neu aus, verdammt! Seine erste Vorlesung begann in … Die Super Short Story Nr. 23 weiterlesen

Die Super Short Story Nr. 22

Sara war wieder mal spät dran. Sie hatte verschlafen und riss die Tür zum Klassenzimmer auf, als Frau Stern, die Deutschlehrerin, gerade Arbeitsblätter für die Klausur verteilte. Sara murmelte eine Entschuldigung und setzte sich. Sie stöhnte, als sie das Blatt mit dem Aufgaben durchlas. Die Arbeit hatte sie völlig vergessen und das Buch, um das es ging, kannte sie kaum. „Nathan der Weise – Intention und Analyse“ war das Thema. Sara schaute zu den anderen, die alle eifrig zu schreiben begonnen hatten. Sie wusste, dass es in dem Buch um die verschiedenen Religionen ging und deren gemeinsame Wurzeln. Sara fiel dazu ihre … Die Super Short Story Nr. 22 weiterlesen

Alle Jahre wieder

    Prolog: 30 Jahre Klassentreffen, Teller mit Häppchen ziehen vorbei wie an der Sushibar, ich esse alles auf. Lausche den Gesängen über Hausbaupläne, neue Autos und die Kinder. Und die, die keine haben, machen sich jetzt auch keine Gedanken mehr. Sind eh alle wieder kinderlos hier, die Gören erwachsen. Oder schwierig, also eher kein Thema.   Wir hatten uns angestrengt und wir sahen gut aus. Fast niemand, der nicht vorher beim Friseur gewesen war, und die Kleidung verdeckte bei den meisten die Speckröllchen mehr oder weniger galant. Draußen prasselte ein Lagerfeuer und wärmte die Raucher, die so wie früher … Alle Jahre wieder weiterlesen

Die Super Short Story Nr. 21

  Marlen hatte Kopfweh, sie saß seit sechs Stunden an der Kasse des Supermarkts und keine Ablöse war in Sicht. Ihre Kollegin, die normalerweise die nächste Schicht übernahm, war krank geworden. Wie im Nebel zog sie die Einkäufe der Kunden über den Scanner, kassierte das Geld und wünschte einen guten Tag. Sie dachte an die Weihnachtseinkäufe, die sie noch dringend erledigen musste und Panik machte sich breit. „Hier nicht mehr“, rief sie dem Letzten in der Schlange zu. Sollte der Laden doch zusehen wie es ohne sie weiter ging. Gleich fühlte sie sich besser, und die Arbeit ging ihr wieder … Die Super Short Story Nr. 21 weiterlesen

Die Super Short Story Nr. 20

  Pfarrer Krause hatte gerade die letzten Gemeindemitglieder an der Kirchentür verabschiedet, als ihn jemand am Ärmel seines Talars zupfte. Er drehte sich um und sah ein etwa zehnjähriges Mädchen, das ihn aus kohlschwarzen Augen anstarrte. Es hatte eine viel zu dünne Jacke an und Leinenturnschuhe, die der Jahreszeit, es war Winter, nicht angemessen waren. „Bist du allein hier?“ fragte er und schaute sich suchend um. Im Gottesdienst hatte er das Kind nicht bemerkt. Weit und breit war kein Erwachsener mehr zu sehen. Das Mädchen schien ihn nicht zu verstehen, jedenfalls antwortete es nicht auf seine Frage. Auch als er … Die Super Short Story Nr. 20 weiterlesen

Die Super Short Story Nr. 19

  Jakob steuerte den Wagen aus der Einfahrt. Er hatte erst neulich seinen Führerschein gemacht, und jetzt fuhr er zum ersten Mal mit dem Porsche seines Vaters. Er hatte ihn längere Zeit nicht gesehen, und eigentlich stand der Wagen sowieso nur rum, weil sein alter Herr von einem Termin zum nächsten durch die Welt flog. Jakob fuhr langsam bis zum Ende der Straße und überlegte wo es hin gehen sollte. Die Nacht war sternenklar und irgendwo sang eine Nachtigall. Er steckte sein iPhone in die Halterung und startete die Playlist. Deichkind dröhnte satt aus den Boxen, und auf einmal wusste … Die Super Short Story Nr. 19 weiterlesen

Die Super Short Story Nr. 18

  Im Flüchtlingsheim hatte es eine Schlägerei gegeben. Es war mal wieder ums Essen gegangen, viel zu lange hatte es gedauert, bis alle dran waren. Omar lag auf seinem Bett und hörte die Schreie noch in seinen Ohren. Seine linke Hand blutete, jemand hatte ihm mit einem Messer einen Stich versetzt. Er versuchte die Blutung mit einem Stück T-Shirt-Stoff zu stillen und dachte dabei an seine Söhne, die jetzt vielleicht gerade zwischen den Trümmern in Aleppo spielten. Er fühlte sich alt und ohnmächtig. Plötzlich fiel ihm das Ehepaar ein, das ihn gestern für einen Touristen gehalten hatte, als er sie nach dem … Die Super Short Story Nr. 18 weiterlesen

Die Super Short Story Nr. 17

  Der Flug aus London war gerade gelandet. Die Maschine hatte sanft aufgesetzt und rollte nun langsam auf das Flughafengebäude zu. Susan starrte aus dem Fenster und war froh wieder hier zu sein. Der Himmel hatte sein schönstes Grau aufgelegt, so als wolle er das Bunte der Stadt verstecken. Heute Abend würden sie in ihrer WG gemeinsam kochen, dann einen Filmabend machen oder einfach nur quatschen. In Germany war alles so zwanglos und Spaß zu haben kostete kein Vermögen. Als das Flugzeug anhielt, stand sie auf und öffnete das Gepäckfach oberhalb ihres Sitzes. Da sah sie diese kleine Coladose mit … Die Super Short Story Nr. 17 weiterlesen

Die Super Short Story Nr. 16

  Der Winter hatte gerade erst angefangen, schon sehnten sich alle nach Sonne. Monis Telefon stand nicht still. Sie arbeitete in einem Reisebüro und hatte vor allem Rentner als Kunden, die mit dem Internet nicht so vertraut waren und deshalb lieber ihren Urlaub in einer Agentur buchten. Kreuzfahrten in der Karibik gingen gerade besonders gut und Moni wünschte sich, irgendwann auch einmal dorthin zu kommen. Aber momentan war daran nicht zu denken. Sie hatten gerade ein Haus gebaut, das Auto war noch nicht abbezahlt und die Kinder wünschten sich neue Skier zu Weihnachten. Sie notierte die Extra-Wünsche der alten Dame … Die Super Short Story Nr. 16 weiterlesen