Gerettet

Es war ein langweiliger Mittwochabend gewesen. Die Glotze hatte mal wieder nichts anderes als flimmernde Grütze auf dem Bildschirm serviert, und mir war elend zumute gewesen. Nicht, weil ich zu tief in die Rotweinflasche aus Napa Valley California versunken war, sondern weil ich an diesem Abend noch keine einzige Zeile zustande gebracht hatte, und das ist immerhin eine Leistung, wenn man so ca. fünf Stunden vor einem Scheiß leeren Computerbildschirm verbracht hat, ohne endgültig durchzudrehen. Ich erwischte mich daher immer öfter, dass ich von dieser entsetzlichen Leere meines Hirns in die Pseudofülle des Fernsehprogramms abdriftete. Irgendeine Seifenoper aus Miami hatte es sogar … Gerettet weiterlesen

November

So ist mein Gefühl: Ich laufe einen Straßenrand entlang, warte auf ein Auto, das mich mitnimmt, wandere durch die Nacht. Und als eines hält, gehe ich weiter, genieße das Dunkel und wärme mich an den Gedanken in meinem Herzen. Sehe die Sterne in der schneekalten Nacht, höre die Äste der Bäume knacken. Am Horizont wird es noch lange nicht hell, ich schaue zurück, sehe meine Fußstapfen, muss lachen. Dampf steigt aus meinem Mund. Alles wird gut. November weiterlesen

Streetfood auf Achse

Berlin ist die Hauptstadt des schlichten Essengehens. Immer öfter balanciert man eine kunstvoll zurecht gemachte Teigtasche in der einen, ein Getränk aus regionalem Anbau (aber mit exotischer Note) in der anderen und schaut sich suchend um. Kein Tisch frei, vielleicht noch ein Zehntel einer Bierbank, das muss reichen, um das erkämpfte Genussgut zu goutieren. Die Rede ist hier nicht vom Ausgang in die nächste Imbissbude, sondern vom Treiben auf den Streetfoodmärkten, die in Berlin wie Pilze aus dem Boden wachsen. Aktuell zieht ein Markt mit Trucks und Buden – Streetfood auf Achse genannt – die Hungrigen in die Kulturbrauerei (Prenzlauer … Streetfood auf Achse weiterlesen

Hangover

Ich bin hier hängen geblieben. Meine Kinder werden größer, und bald sind sie so alt, dass sie hierher ziehen könnten. Wären sie in der Provinz groß geworden, so wie ich. Jeden Morgen schaue ich über die Dächer der Stadt und denke, wie lange noch und warum auch nicht: Hier bleiben. Achtmal bin ich umgezogen in dieser Stadt, jedes Mal ein Neuanfang, ein anderer Bezirk, andere Läden, neue Menschen. Viele Alternativen gibt es nicht mehr, ich kenne fast alles. Hier in Mitte gefällt es mir am besten, und bei dem Gedanken an Umzug denke ich an Wegzug. Denn wo sollte ich … Hangover weiterlesen