Feige

Morgens um halb vier steht das Taxi zum Flughafen vor der Tür, mit kleinem Gepäck geht es los durch die menschenleere Stadt. Der Taxifahrer ist hellwach. „Nachts ist es am besten, alles frei“, ruft er fröhlich und trommelt mit den Fingern zum Takt von Rachmaninov auf das Lenkrad. Wo mein Flug hingehe will er wissen. Auf die Frage habe ich gewartet, und mir schon gleich nach dem Einsteigen eine Antwort überlegt. „London“, antworte ich schnell. „Oh, gute Stadt,“ schreit er begeistert. Ich fasele etwas von geschäftlich und dass es morgen wieder zurück geht. Wir reden über dies und das. Und, … Feige weiterlesen

Durst

Es lag eine brütende Hitze über dem Land. Das Gras auf den Weiden war von der Sonne versengt, Staub wirbelte auf, sobald der Mähdrescher über Land fuhr. Der Blick ging weit über die kahlgeschorenen Äcker und nur ab und an unterbrach ein einsamer Baum das Bild der landwirtschaftlichen Monotonie. Ich war vor nicht allzu langer Zeit aufgebrochen, und doch tropfte mir der Schweiß von der Stirn, als sei ich schon Stunden unterwegs und über Berg und Tal gewandert. Ein leichter Wind strich heran und kühlte meine feuchte Stirn. Ich rückte den Hut etwas zurück, um besser zu sehen und kniff … Durst weiterlesen

Das Meer in uns

Mutter wollte nach Afrika auf den Kilimansharo. Sie wollte außerdem mal wieder ins Berliner Bode-Museum, in die Nationalgalerie und in den Berliner Dom. Mutter hatte viele Wünsche und ich versuchte ihr möglichst viel davon zu erfüllen. An den Wochenenden machten wir dauernd Kulturprogramm, wir gingen in diese und jene Ausstellung, besichtigten neue Gebäude, fuhren auf die Kuppel des Reichstags und spazierten Unter den Linden. Ich kam kaum zur Ruhe, aber andererseits freute ich mich auch über ihren Unternehmensgeist. Nur die Sache mit dem Kilimandscharo machte mich nervös. Es war teuer und außerdem waghalsig. Wann war ich das letzte Mal wandern … Das Meer in uns weiterlesen