Sommergäste

Heute morgen war es wie in alten Tagen in meiner WG. Als ich das Badezimmer betrat, war da schon jemand. Wuscheliges Haar, ich keine Ahnung, wer das sei. Sekunden später fiel es mir ein, es war Sam aus New York. Schnell wieder die Tür zu, zum Glück war das andere Klo gerade frei. Wir sind  derzeit zu neunt in unserer Wohnung und es fällt schwer immer den Überblick zu behalten. Besucher kommen und gehen, Erwachsen gewordene Backpackersöhne und -töchter von Freunden aus Übersee, die Lebensabschnittsgefährten unserer  großen Kinder und ebenjene selber natürlich auch, dazu der Opa, der jetzt wieder Single, da Oma … Sommergäste weiterlesen

Sommerlöcher

Schöner leben in der leeren Stadt. Alle an der Ostsee, nur Spanier, Westfalen und Skandinavier hier. Da hat man endlich mal Platz auf der Straße, also Mietwagen her und ab – hei, was für ein Spaß. Doch halt, was rumpelt und pumpelt unter den Achsen? Überall Löcher im Asphalt, die ganze Stadt ein Flickwerk und hups fliegt Rollsplitt durch die Luft. Einer hätte fast die Windschutzscheibe …. Egal, wir heizen Richtung Funkturm, spielen Karussell am Ernst-Reuter-Platz, und genießen die Fahrt gen Westen, aus dem Radio scheppert passend Country Road und natürlich muss man jetzt mitsingen. Am ICC vorbei bis zum Theo-Heuss-Platz … Sommerlöcher weiterlesen

Die letzte Fahrt

Mutter lag im Sterben. Der Anruf war mitten in der Nacht gekommen und Isa hatte schon länger darauf gewartet. Sofort hatte sie Panik überfallen, hastig hatte Isa ihre Sachen gepackt, den Kindern leise Adieu gesagt und ein paar Scheine auf der Anrichte im Flur hinterlegt. Ben und Juli wussten, wie es um ihre Oma stand, und Isa hatte schon mehrmals mit ihnen besprochen, dass, wenn es soweit war, sie eine Weile allein sein würden. Sie waren 14 und 16, also alt genug, um die Wohnung aus den Angeln zu heben. Aber Isa wusste, sie würden es nicht tun, jedenfalls nicht … Die letzte Fahrt weiterlesen

Milliardenquellen

Geld ist heute kein Thema mehr, man hat es, jedenfalls scheint das überall in Europa außerhalb von Griechenland und meiner Konten der Trend zu sein. Und wenn man es nicht hat, dann tut man so als wenn man es bald hätte und leiht sich solange welches bei denen, die mehr als genug davon haben. Und das sind scheinbar eine Menge. Man muss sich nur mal die Hotelneubauten in Berlin anschauen oder die Start-Up-Szene. Überall wird Geld hineingepumpt, ja, es sprudelt nur so. Man sieht es förmlich fließen, unter anderem direkt in die Taschen der Bauunternehmen. Schön zu sehen auch am … Milliardenquellen weiterlesen

Plattenbau–Country

Das Auto kommt von links. Was für ein hässliches Grün, denke ich noch, dann fliege ich durch die Luft. Als ich wieder wach werde, liege ich im Unfallkrankenhaus Marzahn. Wenn ich aus dem Fenster schaue, glänzen die Hochhäuser in der Abendsonne. Eigentlich sollte es Marszahn heißen – die Zähne des Mars. Ein Meer aus Stumpen, Zacken, größte Trabantensiedlung Europas. Wenn ich wieder gesund werde, will ich den Häuserdschungel erkunden. Nehme ein Pfefferspray mit statt einer Machete, und einen Stadtplan. Marzahn, Moloch. Ronny kennt sich aus. Er hat mich angefahren und er will mir alles zeigen, ist in Marzahn geboren und … Plattenbau–Country weiterlesen

Europa? Europa!

Griechisch Essen war ich lange nicht, beim Wort Griechenland kreischt nur noch das Wort Pleitegeier wie eine Kreissäge im Kopf, und das ist nicht appetitlich. Dabei haben wir die Idee des vereinten Europas nicht umsonst mit den Griechen gemeinsam ins Leben gerufen. Ein vereinigter Kontinent, ein Land mit vielen Staaten – so sollte es sein. Doch davon sind wir noch sehr weit entfernt, wie Schäuble unser Obersparer immer wieder deutlich macht. Die da unten sollen erstmal ihre Hausaufgaben machen, wir dagegen wollen unser Geld zurück, so sein Credo. Recht hat er natürlich, aber ein echtes vereintes Europa würde eher bedeuten: … Europa? Europa! weiterlesen

Berlin am Meer

Sieht aus wie zuhause, ist es auch: Wilhelmshaven, ursprünglich gebaut als Kriegshafenstadt Berlins hat nicht nur in der Südstadt dieselbe Architektur wie in Berlin-Wedding oder Prenzlauer Berg, es gibt sogar eine kleine Prachtallee wie unser Unter den Linden. Heißt hier aber Adalbertstraße, benannt nach einem Prinzen, der den moskitoverseuchten Landstrich einst dem Oldenburger Adel abkaufte, um hier einen Hafen errichten zu lassen. Vor allem Kaiser Wilhelm II. veranlasste, dass alles so gebaut wurde, wie er es von zuhause gewohnt war. Nur ein paar Nummern kleiner. Der Vorteil zu Berlin: Hier gibt es noch richtig viele Wohnungen zum Spottpreis. Große Wohnungen, … Berlin am Meer weiterlesen