Die Tage lösen sich in Luft auf, Stunden verschwinden, Minuten einfach fort, war nicht eben erst Weihnachten? Mit Fotos versuchen wir verzweifelt von der dahinrinnenden Zeit ein bisschen einzufangen, bevor keiner mehr weiß, was da war, vor einer Woche oder einem Jahr. Was war denn da? So könnte es gewesen sein: die Luft ein fliederner Pollentanz, duftend der Kuckucksruf im Dämmern des heranschleichenden Morgens, der ein Blinzeln später im Mittagsschläfchen mündet, wo noch soeben kochendes Spaghettiwasser den Zenit des Tages krönte. Nachmittags mit dem Hund oder dem Kind spazieren, einkaufen oder mal wieder die Ausdauer trainieren, vor allem aber Geld verdienen. So verstreichen wir die Zeit auf großen Stullen, am Abend flackern Filme, der Mond nimmt verlässlich zu- oder ab und zieht mit den Sternen um die Häuser. So ist der Tag, ganz schön und plötzlich vorbei. Die Woche, das Jahr, ein Weg, markiert von Arbeitsabläufen, Tatortabenden, Kochsendungen, Staubmausjagden, Nachrichtenflüssen, Geistesblitzen. Neue Falten auf der Haut ähneln Jahresringen – erworben im Vorüberleben. Angenehm geräuschlos, so ungefährlich wie ereignislos.

Auf der Hollywoodschaukel Modell Basel bin ich schön allein. Sie hat mich im Baumarkt eingeladen Platz zu nehmen. Nun studiere ich staunend schaukelnd die Umgebung, lese Gartenliegen- und Polsterpreise, lausche sanfter Supermarktmusik. So versinke ich in Minuten, bade im Zeitüberfluss und keiner, der weiß wo ich bin. Wann hat es das zuletzt gegeben? Ein überwältigendes Gefühl von Freiheit spült mich fort und meint, so könnte es ewig weitergehen. Bis mir die Idee kommt, das alles in Worte zu fassen. Ohne Stift und Heft, dafür mit einem lahmen Einfingertippsystem, wird der gefühlt endlos dauernde Augenblick plötzlich doch wieder knapp. Müssen sich meine Gedankenblitze gedulden und Schlange stehen, bis sie dran sind. Und das mit der Angst, dass jeden Augenblick jemand um die Ecke biegen könnte, der mich kennt. Mich hier sitzen sieht, bei bestem Wetter im Bauch des Baumarktes auf der Hollywoodschaukel Basel, sinnierend über Gott, die Welt, mich und das ganze Schlamassel. Der diesen Zustand entzaubert. In diesem kleinen Ort, wo jeder viele kennt, nicht unwahrscheinlich. Anonym ist es hier sonst nur im Wald.

Auch schön … 

Der Morgen beginnt rosig, zum Schreibtisch ist es nur ein Schritt, eine Runde Frischluft vor dem Frühstück erlaubt. Arbeit hat einen neuen Anstrich und darf gerne dauern. Wer das jetzt liest hat Zeit, den Sternenhimmel zu bewundern, der uns geschenkt, die Blumen mit Namen anzusprechen, die jetzt erblühen, und einen Baum zu umarmen, der Trost verspricht. Wer das jetzt liest, hat Zeit zum Träumen. In Einsamkeit oder zweisam mit sich selbst wuchert dabei ein vages Ahnen. Mein Gott. Die Ruhe vor dem Sturm.

for beginner

Wo ein Irgendnirgendwo die Strippen zieht, den Karren weiterkarrt, wo Schienen im Gesträuch. War da nicht ein Geräusch? Des sachten Anfangs sanften Anklang jagt ein böses Brausen und Geknurr. Doch der Weg folgt stur der Spur. Gewitter folgt auf Sturm, dann reißt der Himmel wieder blau. So geh ich hin

und bin.